Dear Dr. Habermas
Zum Glauben an die Demokratie
Sollte es nicht unser Anspruch sein, wieder metaphysische Lösungen als Experten anzustreben? Sehen Sie sich die Meinungsvielfalt im Internet an. Die Demokratisierung des Internets führt zwar zu einer Pluralität an Meinungen und Diskursen, aber vielleicht nicht zu erwünschten Wissensgewinnen, sondern auch zu einer massiven Gefährdung durch interessensgelenkte Verzerrung von Wahrheit. Diese Interessen sind dabei den Akteuren nicht wirklich bewusst. Könnte die Erhöhung von irrelevanten Diskursen den wahren Diskurs verdecken? Wie stehen sie zur Algokratie?
Wie stehen sie zu einer Technisierung und einer plötzlichen Unterlegenheit von Menschen gegenüber algorhythmischen Entscheidungen, die den Diskursen schlichtweg durch Komplexität entzogen sind. Was wenn die Komplexität solcher Diskurse nicht mehr reduzierbar ist? Sollten wir solcherlei Mechaniken verbieten?
Zu Brandom:
With regardto Brandom's Cognitive Realism you remark that it actually undermines the useful distinction of Kantian philosophy, namely distinguishing between the practical and the theoretical realm.
Why is it a problem that the objectivism of the cognitive realism is making it harder to use Kantian differentiation with regard to practical and theoretical reason? (Habermas)
Im Hinblick auf Brandoms Kognitiven Realismus merken Sie an, dass es eine nützliche Unterscheidung in der Kantischen Philosophie untergräbt, nämlich die Unterscheidung zwischen dem Theoretischen und dem Praktischen. Brandom legt ja darauf Wert, dass das die Äußerung Grundbestandteil unseres Weltverständnisses ist, aus dem sich die anderen Teile unserer Vernunft ableiten lassen. Sind sie im Gegensatz dazu verleitet dem Praktischen einen Vorrang zu geben oder sind dies alles nur verschiedene Arten, in welcher Weise wir über unsere kommunikativen Verhältnisse sprechen? Ist die Diskurstheorie tatsächlich nur auf die Sprechakte herunterkochbar? Womöglich vertreten Sie hier eine eher hermeneutische Perspektive.
Sind die Anstrengungen des Begriffs wirklich der Selbstbewegung des Begriffs vorzuziehen? Ist es hier überhaupt richtig, die Frage der Konsequenz herzustellen? Welche Gefahren sind denn mit den Anstrengungen des Begriffs verbunden, wenn wir keinerlei Garantie haben, dass sich eine gewisse Wahrheit, ein Lohn hinter der Arbeit des Begriffs verbirgt? Und ist nicht auch die vorausgesetzte Freiheit der Handlungsakteure metaphysisch, auch wenn sie zur Handlungskoordination dient? Können wir uns wirklich mit einem Subjektivismus der Handlungskoordination zufrieden geben? Was wenn die Selbstbewegung des Begriffes der Wahrheit entspricht? Ist das Konzept der Freiheit nicht schlicht eine Frage der Perspektive auf die Unterscheidbarkeit zwischen Determination und Freiheit?
Why is it problematic that we have unifying tendencies in our reason?
Mein Ansatz ist hinter den Rücken der Kantischen Differenzierungen zu schauen, denn ich bin mir nicht hundert Prozent sicher, ob diese Differenzierung nun nur nützlich ist oder auch Wirklichkeit. Ist die Freiheit des Handelns vielleicht ein Wunsch, den wir uns nur systematisch einbilden? Die Handlungsfreiheit der Akteure wird durch die Unüberschaubarkeit aller möglichen Nebenfolgen de facto aufgelöst. Wo lassen sich denn im praktischen Bereich noch Gedankenbewegungen so formulieren, das ein einzelner den Diskurs im Rahmen seiner Freiheit erlauben kann. Die zunehmende Komplexität der Informationen macht die Entscheidung des Betroffenen schwerer.
Mir ist nicht ganz klar, ob wir mit den Anstrengungen des Begriffs einen Relativismus unterstützen, denn am Ende kann doch immer darauf verwiesen sein, dass die Debatte rein intellektuell war, getragen von der Prämisse, dass es keine Wahrheit gäbe, aber auch keine Wahrheit hervorbringe. Wenn aber der theoretische Teilnehmer seine Position mit Wissenschaft stützt? Woher nehmen sie auch zukünftig das Vertrauen in die Demokratie?
Was, wenn eine Demokratie den Experten entmachtet. Würden wir beispielsweise wollen, dass Krankenhauschefs entmachtet werden, weil eine Demokratie sich von komplexen wissenschafststheoretischen Positionen verwirren lässt? Muss die Demokratie wissenschaftlicher werden?
Vielleicht könnten sie mich an jemand weiteren verweisen
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