Sonntag, 22. März 2015

Habermas

Dear Dr. Habermas

Zum Glauben an die Demokratie
Sollte es nicht unser Anspruch sein, wieder metaphysische Lösungen als Experten anzustreben? Sehen Sie sich die Meinungsvielfalt im Internet an. Die Demokratisierung des Internets führt zwar zu einer Pluralität an Meinungen und Diskursen, aber vielleicht nicht zu erwünschten Wissensgewinnen, sondern auch zu einer massiven Gefährdung durch interessensgelenkte Verzerrung von Wahrheit. Diese Interessen sind dabei den Akteuren nicht wirklich bewusst. Könnte die Erhöhung von irrelevanten Diskursen den wahren Diskurs verdecken? Wie stehen sie zur Algokratie?

Wie stehen sie zu einer Technisierung und einer plötzlichen Unterlegenheit von Menschen gegenüber algorhythmischen Entscheidungen, die den Diskursen schlichtweg durch Komplexität entzogen sind. Was wenn die Komplexität solcher Diskurse nicht mehr reduzierbar ist? Sollten wir solcherlei Mechaniken verbieten?

Zu Brandom:

With regardto Brandom's Cognitive Realism you remark that it actually undermines the useful distinction of Kantian philosophy, namely distinguishing between the practical and the theoretical realm.
Why is it a problem that the objectivism of the cognitive realism is making it harder to use Kantian differentiation with regard to practical and theoretical reason? (Habermas)

Im Hinblick auf Brandoms Kognitiven Realismus merken Sie an, dass es eine nützliche Unterscheidung in der Kantischen Philosophie untergräbt, nämlich die Unterscheidung zwischen dem Theoretischen und dem Praktischen. Brandom legt ja darauf Wert, dass das die Äußerung Grundbestandteil unseres Weltverständnisses ist, aus dem sich die anderen Teile unserer Vernunft ableiten lassen. Sind sie im Gegensatz dazu verleitet dem Praktischen einen Vorrang zu geben oder sind dies alles nur verschiedene Arten, in welcher Weise wir über unsere kommunikativen Verhältnisse sprechen? Ist die Diskurstheorie tatsächlich nur auf die Sprechakte herunterkochbar? Womöglich vertreten Sie hier eine eher hermeneutische Perspektive.

Sind die Anstrengungen des Begriffs wirklich der Selbstbewegung des Begriffs vorzuziehen? Ist es hier überhaupt richtig, die Frage der Konsequenz herzustellen? Welche Gefahren sind denn mit den Anstrengungen des Begriffs verbunden, wenn  wir keinerlei Garantie haben, dass sich eine gewisse Wahrheit, ein Lohn hinter der Arbeit des Begriffs verbirgt? Und ist nicht auch die vorausgesetzte Freiheit der Handlungsakteure metaphysisch, auch wenn sie zur Handlungskoordination dient? Können wir uns wirklich mit einem Subjektivismus der Handlungskoordination zufrieden geben? Was wenn die Selbstbewegung des Begriffes der Wahrheit entspricht? Ist das Konzept der Freiheit nicht schlicht eine Frage der Perspektive auf die Unterscheidbarkeit zwischen Determination und Freiheit?

Why is it problematic that we have unifying tendencies in our reason?

Mein Ansatz ist hinter den Rücken der Kantischen Differenzierungen zu schauen, denn ich bin mir nicht hundert Prozent sicher, ob diese Differenzierung nun nur nützlich ist oder auch Wirklichkeit. Ist die Freiheit des Handelns vielleicht ein Wunsch, den wir uns nur systematisch einbilden? Die Handlungsfreiheit der Akteure wird durch die Unüberschaubarkeit aller möglichen Nebenfolgen de facto aufgelöst. Wo lassen sich denn im praktischen Bereich noch Gedankenbewegungen so formulieren, das ein einzelner den Diskurs im Rahmen seiner Freiheit erlauben kann. Die zunehmende Komplexität der Informationen macht die Entscheidung des Betroffenen schwerer.

Mir ist nicht ganz klar, ob wir mit den Anstrengungen des Begriffs einen Relativismus unterstützen, denn am Ende kann doch immer darauf verwiesen sein, dass die Debatte rein intellektuell war, getragen von der Prämisse, dass es keine Wahrheit gäbe, aber auch keine Wahrheit hervorbringe. Wenn aber der theoretische Teilnehmer seine Position mit Wissenschaft stützt? Woher nehmen sie auch zukünftig das Vertrauen in die Demokratie?

Was, wenn eine Demokratie den Experten entmachtet. Würden wir beispielsweise wollen, dass Krankenhauschefs entmachtet werden, weil eine Demokratie sich von komplexen wissenschafststheoretischen Positionen verwirren lässt? Muss die Demokratie wissenschaftlicher werden?

Vielleicht könnten sie mich an jemand weiteren verweisen

Montag, 29. Dezember 2014

My Students

Dear Students,

I am glad that so many of you wrote a very good, final exam. It demonstrated to me that you took the course seriously and that you learned the basics of philosophy. I designed the course with regard to the epistemological tasks of your future career and with regard to the question of ethics that lead to a happy and good life. I hope that I could convince you, or that, at least, you could build a more complex approach to knowledge.

Right now, I am sitting with my daughter and her mother in Cologne. We are expecting our second child and, of course, we are pretty happy about it. Tomorrow my flight is going back to Pittsburgh. We enjoyed an incredible New-Years-Firework from one of the highest spots in Cologne. Cologne seemed to be a landscape made of fireworks. Nevertheless, since teaching is very important to me, I also thought of my classes of 2014 and what to do in the future... Thank you for a good semester, I honestly enjoyed the work with you.

During your last year you might have lost a close relative, a love, you might have lost motivation, you might have lost so many things, but you know that we as human beings have an urge to go further and to shape the world with regard to ideals that are in our heart. This means, university should not only teach you the technical aspects of your profession, but it should make you a whole person. I hope I could walk with you a small but important part of this path. I wish all of you a happy and sucessful new year and maybe we see from time to time at Duquesne.

Moreover, if somebody would be willing to write me a short recommendation of half a page for my future applications, then this would be a great help. Please write me an e-mail. If you feel that I am somebody who should proceed in university education, you should also leave a comment on "Rate-My-Professors" (http://www.ratemyprofessors.com/ShowRatings.jsp?tid=1900958).

Have a nice next semester and a happy new year
Your Norman Schultz
https://www.facebook.com/norman.schultz.39

Montag, 15. Dezember 2014

An Herrn Charles Taylor

Dear Prof. Dr. Taylor,

having researched in the field of systematic strategy I became curious in your approach.

the Brandomian project as some gaps that have to be filled out and I am shifting to the questions of existentialism inspired by my dissertation director Dr. James Swindal.

Wikipedia
Seine umfassende, 1975 erschienene Hegel-Monografie stieß vor allem in den angelsächsischen Ländern auf große Resonanz und löste dort eine neue Rezeption der Philosophie Hegels aus. Taylor hält zwar den Systemgedanken Hegels für gescheitert, glaubt jedoch, dass in Hegels Werk der Grundkonflikt der Moderne, der Gegensatz zwischen Naturwissenschaft und Subjekt, ausgedrückt werde.
In seinem 1989 erschienenen Werk Sources of the self (dt. Quellen des Selbst, 1994) kritisiert Taylor die Idee des autonomen Individuums als ein Missverständnis der Moderne über ihre eigenen Grundlagen. Nicht eine neutrale Vernunft, vielmehr eine ethische Idee stehe am Anfang der Moderne. Taylor wendet sich kritisch gegen die Idee eines neutralen Individuums, das erst mittels seiner „desengagierten Vernunft“ die Welt zu erschließen vermöge. Das Leben des Individuums spiele sich dagegen im Sinne Hegels und Wittgensteins immer vor dem Hintergrund einer bestimmten Lebensform ab.
Von diesem Ausgangspunkt gelangte Taylor in Negative Freiheit (1988) zu einer Konzeption von Ethik, die ihn in Opposition zu kantisch geprägten Modellen brachte. Grundlage des Handelns des Einzelnen seien Wertungen, die in der Idee des menschlichen Selbst fundiert sind. Diese Werte gelten nur für eine konkrete historische Gemeinschaft, in der sich der Einzelne immer schon bewegt. Menschliche Identität, menschliches Handeln und Erkennen sind nicht möglich ohne die intersubjektiv verbindliche Akzeptanz letzter und höchster Güter.
In The Malaise of Modernity (1991, dt. Unbehagen an der Moderne, 1995) kritisiert Taylor die zentrale neuzeitliche Idee von der menschlichen Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen als ein verkürztes Menschenbild mit fatalen Konsequenzen. Es führe zu einem „Individualismus der Selbstverwirklichung“ und damit zu einem Wertrelativismus und Subjektivismus, der Belange jenseits des eigenen Ich ignoriert und es unmöglich macht, moralische Streitfragen zu beantworten. Das Gegenmodell dazu entwirft Taylor in Wieviel Gemeinschaft braucht die Demokratie? (2001). Taylor fordert darin die Besinnung auf Werte wie Gemeinsinn und Solidarität. Den durch die Gemeinschaft garantierten Rechten müssen auf der Seite des Individuums eine Verpflichtung für die Gemeinschaft entsprechen.